Lehrbeginn 2011

Tag 1

Die Stimmung war etwas verhalten, als ich am 10. August 2011 um 8.00 Uhr auf die anderen Lernenden traf. Alle waren gespannt, was uns in den nächsten drei Tagen, der Einführungswoche, erwarten wird.

Gestartet sind wir in einem perfekt vorbereiteten Sitzungszimmer mit einer herzlichen Begrüssung durch die Berufsbildner. Im Anschluss lernten wir die Geschichte und Organisation der Besi und die Integration in die Besi genauer kennen. Mit einem Rundgang durch das Gebäude erhielten wir einen Überblick über die einzelnen Abteilungen. Mit einem Plan ausgestattet fanden wir auch eigenständig den Weg zurück ins Sitzungszimmer. Nachdem wir uns mit den Zielen und Erwartungen für die Lehre beschäftigt hatten, nutzten wir das schöne Wetter und wechselten unseren Standort zum Steinhauser-Weiher. Dort lernten wir uns beim Mittagessen etwas näher kennen.

Der Nachmittag stand ganz im Zeichen von IPERKA. Ich hatte bereits davon gehört es jedoch noch nie so bewusst angewendet. IPERKA ist eine Methode um ein Projekt, eine Aufgabe oder ein Vorhaben strukturiert durchzuarbeiten. Jeder Buchstabe beschreibt einen Schritt. I steht für Informieren. Es geht darum die Aufgabe zu verstehen, die Vorgaben zu erkennen, benötigte Informationen zusammenzusuchen oder sich nötige Kenntnisse anzueignen. In einem zweiten Schritt geht es an die Planung. Es werden Zeitpläne erstellt, Verantwortung aufgeteilt und verschiedene Lösungswege gesucht. Danach muss im dritten Schritt die Entscheidung gefällt werden. Die beste Lösungsvariante kann zum Beispiel durch die Auflistung von Vor- und Nachteilen herausgefiltert werden. Ist die Entscheidung gefallen,  steht der vierte Schritt, das Realisieren, an. Der vorher ausgearbeitet Plan wird nun umgesetzt. Anschliessend wir das Ergebnis einer Kontrolle unterzogen. Es gilt also vorhandene Fehler zu finden und zu verbessern. Dieser Schritt sollte jedoch auch bei Teilschritten gemacht werden. So fällt die Endkontrolle besser aus. Als letzten Schritt kommt man zum Auswerten. Das Vorgehen wird untersucht und Verbesserungspotentiale erkannt. Zudem kann man die gewonnenen Erfahrungen festhalten und in einer nächsten Aufgabe umsetzen.

Nach einer kurzen theoretischen Einführung wendeten wir IPERKA gleich bei mehreren kniffligen Aufgaben an. In einer Dreiergruppe musste zum Beispiel ein Puzzle in möglichst wenigen Sekunden gelöst werden. In 50 Minuten erarbeiteten wir dafür das bestmögliche System. Bei dieser Aufgabe wurde mir bewusst, wie wichtig Schritt eins, das Informieren ist. Man muss ganz genau abklären, was die Vorgaben für die gestellte Aufgabe sind.

So verbrachten wir einen ereignisreichen Nachmittag an der frischen Luft, lösten spannende Aufgaben, sammelten wertvolle Erfahrungen bei der Teamarbeit und konnten uns näher kennenlernen. Abgerundet wurde der erste Tag beim gemütlichen Grillieren.

Der 2. Tag

Am zweiten Tag der Einführungswoche arbeiteten wir uns durch einige Reglemente. Dadurch lernten wir unsere Rechte und Pflichten kennen. Wir wurden über die Zeitabrechnung und der Bedienung der Stempeluhr unterrichtet. Auch die grundlegenden Regeln beim Bedienen des Telefons erlernten wir.

Mit einer Führung durch die Montageabteilung konnten wir den Zusammenbau der Maschinen der Besi beobachten. Dabei wurde uns der Unterschied zwischen den zwei Prozessen „Die Bonding“ und „Wire Bonding“ erklärt. Für beide Prozesse bietet die Besi Maschinen an. In Zukunft wird sich die Besi auf das Die Bonding fokussieren. Dabei wird ein Siliziumchip auf einem Trägermaterial fixiert. Es werden verschiedene Verfahren angewendet. Zum Beispiel kann ein Chip mit Epoxydharz oder mit Lot auf der Trägerplatte befestigt werden. Um Platz zu sparen werden einige Chips auf der Trägerplatte übereinander geschichtet. Dies nennt sich „Stacked Die“. Bei der vierten Methode existieren Kontakte auf der Oberseite des Chips und daher muss der Die vor dem befestigen auf der Trägerplatte gedreht werden. Dieser Prozess wird FlipChip genannt. Für jede Methode stellt die Besi eine entsprechende Maschine her.

Während der gesamten Woche griffen wir immer wieder auf Brainstorming zurück. So trugen wir  Begriffe zusammen, die mit unserem Verhalten und der Wirkung im Zusammenhang stehen. Dies zeigte mir noch einmal deutlich auf, wie mein Verhalten eine Wirkung erzeugt und dies gerade auch in der Schule beachtet werden muss.

Auch die MindMap-Methode setzten wir zur Darstellung verschiedener Themen ein. Beide Methoden werde ich in Zukunft vermehrt bei anstehenden Aufgaben einsetzen.

Bereits am ersten Tag erhielten wir den Auftrag eine Präsentation zu gestalten. Mit einem amüsanten Negativbeispiel wurde uns verdeutlicht, was man an einer Präsentation alles vermeiden sollte. So versuchten wir gleich anschliessend diese Fehler zu vermeiden. Dadurch konnten wir uns auf die bevorstehende Präsentation am dritten Tag vorbereiten.

der letzte Tag

Am Freitag bekamen wir eine Einführung in das IT-System der Besi. Wir lernten die Ordnerstrukturen, Intranet und Mailsystem kennen.

Während der Lehre wird jeder Lernender ein Arbeitsbuch führen. Wir haben gelernt, was darin enthalten sein muss und wie es geführt werden soll.

In den zwei vergangenen Tagen hatten wir immer wieder Zeit an unserer Präsentation zu arbeiten. Ziel war es; uns Lernende, die Produkte der Besi, die erlebten Tage und IPERKA den eingeladenen Mitarbeitern vorzustellen. Eine Probepräsentation zeigte uns, dass Einiges noch nicht optimal zusammenpasste und dass noch einige Verbesserungen gemacht werden müssen. Die Einführungswoche schlossen wir dann mit der Präsentation ab, bei der wir das Gelernte gleich umsetzen und zeigen konnten.

Der Beginn einer Lehre war für mich keine leichte Entscheidung.  Bereits nach Abschluss der Maturität habe ich mich mit den verschiedenen Möglichkeiten, welche das schweizerische Bildungssystem bietet auseinandergesetzt. Natürlich bietet sich der Gang an eine Universität an. Dass es die technische Richtung sein soll, war für mich klar. Ich entschied mich für ein Studium an der ETH Zürich.

Im zweiten Semester stellte ich fest, dass mir die praktischen Einheiten viel mehr Freude bereiteten als die theoretischen. Die Richtung stimmte also, jedoch soll meine zukünftige Ausbildung praxisbezogener sein. Eine Fachhochschule bietet eine projektorientierte Ausbildung und mehr Praxisnähe. So war der Schritt Richtung Fachhochschule also naheliegend. Die Aufnahme setzt aber mindestens eine einjährige Berufserfahrung voraus. Die verkürzte Berufslehre (Way-Up) ermöglicht mir, nicht nur ein Praktikum, sondern eine solide Ausbildung zu durchlaufen.

In diesen zwei Ausbildungsjahren lernt man die Berufswelt kennen und kann sich über die eigenen Interessen klar werden. Mit dem Lehrabschluss und der Matura stehen einem dann viele Möglichkeiten für die Zukunft offen.

Ist man sich nach der Matura nicht sicher, ob ein Studium der richtige Schritt ist, so ist die Way-Up Lehre definitiv eine sehr gute Option. Zwischen dem Gymnasium und einem Studium mit theoretischem Inhalt, bietet eine Lehre den idealen Zwischenschritt.  Praktische Erfahrungen können in der Berufswelt gesammelt werden und der Abschluss krönt das Fähigkeitszeugnis. Alle Wege in Richtung Arbeitswelt oder Studium an Fachhochschule, Uni oder ETH sind nun offen.

Die Einführungswoche der Besi habe ich als idealen Start in die Lehre erlebt. Ich habe das nötige Basiswissen über die Firma, die Produkte und Systeme erhalten. Durch die kniffligen Aufgaben im Team lernte ich auch gleich die anderen Lernenden besser kennen, was ich als wertvoll erachte. Mit den positiven Erfahrungen aus der Einführungswoche in Erinnerung freue ich mich auf meine Lehre bei der Besi.

Oktober 2011, Jeremias Bürki, Elektroniker Way-Up 1.Lj